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 Die Industrialisierung

 Mit dem Beginn des Industrie- und Technischen Zeitalters ging eirıe jahrhundertalte Lebensweise zu Ende. Es war eine Veränderung ungeheuren Ausmaßes, deren Wirkung auf die Zukunft bis heute noch nicht übersehbar ist. In Reken veränderten sich das Landschaftsbild und das Biotop vollständig, wodurch die Voraussetzung für eine bessere Lebensbedingung geschaffen wurde.

Die Errichtung der Kohlengruben veranlasste die Heuerlinge, ihre Arbeitsplätze aufzugeben. Die höhere Verdienstmöglichkeit bot die Möglichkeit, aus den ärmlichen Verhältnissen herauszukommen. Bis zum Jahre 1900 waren es 95 Prozent, die ihr Tätigkeitsfeld auf den Bauernhöfen verließen. Zu Geld gekommen, kauften viele von ihnen den Bauern Heideboden ab, auf dem sie sich niederließen und ein Wohnheim errichteten.
Andere wanderten ins Ruhrgebiet ab, das zum Sammelbecken des Geburtenüberschusses wurde.
Als Folge der Abwanderung wurden in Reken etwa 20 ha Ackerland mit Eichen zugepflanzt von denjenigen Bauen, denen jetzt die Arbeitskräfte fehlten. Das Anwachsen der Bevölkerung im Kohlenpott, zwang die Landwirtschaft, welche hinter der Entwicklung herhinkte, mehr Lebensmittel zu erzeugen. Der Arbeiter brauchte Fleisch, Kartoffeln und vor allem viel Milch. Dies war nur möglich durch Kultivierung der großen Sumpf- und Heideflächen. Pionierarbeit auf diesem Gebiet leisteten in Reken der Pfarrer Harrier und der Graf Landsberg von Velen. Beide sahen die Entwicklung voraus und handelten danach. Großen Anteil hatten auch die in Maria Veen angesiedelten Trappisten-Mönche. Sie zeigten den Bauern, die dem Neuen anfänglich misstrauisch gegenüberstanden, wie man durch Anlegung von Entwässerungsgräben den nassen Boden nutzbar machen konnte. Die große sumpfige Heidefläche zwischen Groß Reken und Bahnhof Reken einerseits und dem Weskerhook und Bökenholt andererseits verwandelte sich in eine grüne Wiesen- und Weidelandschaft. Ebenso geschah es mit den großen Flächen im Brook vor dem Torfmoor, den Flächen beiderseits des Heu-, des Bom- und des Kusebaches und etlichen kleineren Sumpfgebieten. Bis 1914 hatte sich bereits ein Drittel des Rekener Gebietes in eine grüne Landschaft verwandelt. 
Der Übergang zur Milchwirtschaft führte zur Abschaffung der Schafherden. Der Bauer Inholte (Schürmann) im Preinhook war der letzte in Reken, der seine Herde Anfang 1914 aufgab.
Die Dreifelderwirtschaft ging zu Ende.
Die Kartoffel, welche auf dem Rekener Sandboden besonders gut gedieh, wurde Hauptanbaufrucht und neben der Milchlieferung die bedeutendste Einnahmequelle. Bedingt durch die enorme Steige- rung der Milchviehhaltung bestand über die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus Grünland. 

Zur Regulierung des Heubaches als Voraussetzung einer guten Entwässerung sowie zur Reinigung und Unterhaltung der Wasserläufe Wurden die Entwässerungsgenossen- schaften gegründet, z.B. die Heubachgenossenschaft am 25. Juli 1898 usw.
Für die bisher am armseligsten lebenden Heuerlinge und Tagelöhner begann eine bessere Zeit. 1840 mussten sie noch 5 Tage schaffen, um 50 kg Brotgetreide kaufen zu können, 1900 nur noch 2 Tage, 1980 nur noch 2 Stunden.
Wie stark sich die Lebensweise geändert hat und der Lebensstandard gestiegen war; zeigt eine Auflistung der Berufe der Rekener Bevölkerung (ohne Klein Reken und Hülsten) aus dem Jahre 1912.

Von 438 Aufgeführten sind 232 Bauern oder Kötter, 206 Nichtlandwirte, die sich in folgende Berufe aufteilen: Bergleute = 26 (116 Männer waren noch Bergmann im Nebenberuf), Tagelöhner' = 18, Händler und Kaufleute = 14, Rottenführer und Bahnarbeiter = 13, Weber = 12, Wirte = 12, Holzschuhmacher = 9, Bäcker = 4, Briefträger und Postangestellter = 4, Metzger = 3, Fuhrunternehmer (Stempelholzfah- rer) = 2, Milchfuhrmann = 2, Holzarbeiter = 2, Molkereiverwalter = 1, Klempner = 1, Anstreicher = 1, Pfarrer = 4, Schreiner und Zimmerleute = 15, Maurer= 14, Bahnmeister und Bahnwärter = 10, Schuhmacher = 7, Schmied = 5, Stuhlmacher = 4, Müller = 4, Schneider = 3, Sattler = 2, Straßenwärter = 2, Stuckateur = 1, Lagerhalter = 1, Zeitungsbote; 1, Lehrer = 4, Lehrerinnen = 4.

Viele Kleinkötter gingen nebenberuflich zur Zeche, um ihr Einkommen aufzubessern. Zeitweilig waren es bis zu 200 Mann, die mit dem Zug nach Dorsten, Gladbeck oder Bottrop zu den Kohlegruben fuhren. Morgens in der Früh gingen sie zu Fuß die 3 km bis zum Bahnhof Reken und nachmittags zurück Zu Hause bewirtschafteten sie noch ihre kleine Landwirtschaft, oft bis spät in die Nacht hinein. 

Die nicht nutzbar zu machenden Flächen mit den sehr schlechten Sandböden, das Gebiet der Rekener Hügelkette, die Hohe Mark und das Bökenholt blieben als Heide von der Kultivierung verschont. Nach Abschaffung der Schafherden wuchs die Heide mit Birkengestrüpp zu. 
Wer finanziell dazu in der Lage war, pflanzte seine Heidefläche mit Kiefern zu. Das Holz wurde in den Zechen als Stempelholz verwendet.
Die Hauptaufforstung fand nach 1933 statt, und die heute als Ausflugsziel bekannten Rekener Wälder stammen von dieser Aufforstung her. Leider ist das Kiefernholz nach 1945 mit der Einführung von Metallstempeln in den Zechen, der Schließung vieler Gruben und der Herstellung von Plastikprodukten wertlos geworden und verfault heute in den Wäldern, die einen traurigen Anblick bieten. Eine Neuanpflanzung ist teurer als der Wert des aufstehenden Holzes.

Die Veränderung der Landschaft und des Biotops wirkte sich auch auf die Population des Tierbestandes aus. Mit dem Verschwinden der Heide verschwand auch die Wacholderdrossel, im Volksmund „Krammetsvogel“ genannt. Im Herbst kamen sie in Schwärmen bis zu etlichen Hunderten vor und wurden zur Verbesserung der kargen Mahlzeiten geschossen oder in Netzen oder auf Leimruten gefangen.
Mit dem Birkengestrüpp wanderte um 1875 das Birkhuhn ein. Nach der Aufforstung verschwand es wieder. 1950 wurde hier in Reken das letzte Exemplar dieser Tiergattung gesehen.
Hasen waren auch zahlreich vorhanden, dagegen Kaninchen zunächst sehr wenig. Nach der nicht mehr stattfindenden Beweidurıg der Heide durch Schafe und der Aufforstung mit Kiefern vermehrten sie sich so stark, dass sie zu einer Landplage Wurden.
Ebenso erschienen jetzt die Rehe, die bisher in der Heidelandschaft der münsterländi- schen Sandgegend nicht vorkamen. 1885 wurde das erste von ihnen gesichtet, ebenso der erste Fasan.
Es verschwanden die Wachteln, auch als Wiesensumpfhuhn bezeichnet, und die Pfuhlschnepfen.
Dagegen nahmen Bekassinen und Waldschnepfen zu. Die Kolkraben wanderten ab, dafür erschienen Dohlen in großen Scharen. Die Nachtschwalben, der Wiedehopf und der Grauspecht verschwanden ganz. Dafür bürgerte sich der Schwarzspecht ein, und die Zahl der Buntspechte nahm gewaltig zu.

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