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Die jüdische Gemeinde Reken

 Seit dem 17. Jahrhundert dürften Juden Bürger der Gemeinde Reken gewesen sein. Die Familie Lebenstein besaß aus dieser Zeit einen Schutz- und Geleitbrief ausgestellt von der Fürstbischöflichen Regierung in Münster, der darauf schließen lässt. Im „Fürstbischöflichen Hof- und Adress-Kalender“ von 1786 werden sogar die jüdischen Geistlichen aufgeführt:
Rabbiner und Vorsteher der Judenschaft Mich. Meier Breslauer, Hof-Faktor und Land-Rabbiner Salomon Isaak, zu Borken, Beisitzer Salomon Anschel, zu Haltern, Beisitzer Meyer Philipp, zu Freckenhorst, Beisitzer 7 Amtlicherseits ist über die Rekener Juden kaum etwas Schriftliches vorhanden Da sie Nichtchristen waren, wurden ihre Geburts-, Heirats- und Sterbedaten in den Kirchenbüchern nicht aufgeführt. Erste Nachrichten finden wir in einer Prozessakte des Schulten Hofes.
 Im Urkataster von 1821 werden als Hausbesitzer aufgeführt in Groß-Reken die Familie Josef Löwenstein), Philipp Löwenstein und die Familie Simon Lebenstein, in Klein-Reken die Familie Abraham Humberg und die Familie Wolf Löwenstein.
  • Ehepaar Levinstein
  • Familie Levinstein in Bad Pyrmont
  • Familie Silberschmidt

Infolge des Anwachsens der jüdischen Gemeinde wurde im Ortsteil Groß-Reken neben der heutigen Fleischerei Röhling eine Synagoge errichtet, welche am 28. - 50. August 1863 eingeweiht wurde. Das Gebäude bestand aus der Synagoge und einem Wohnteil, in dem die Familie Rössmann ein Tabakwarengeschäft unterhielt. Sie betreute die Synagoge und brauchte dafür keine Miete für die Wohnung zu zahlen. Ab 1938 gab es in Groß-Reken keine Synagoge mehr. Iın 2. Weltkrieg wurde das Gebäude durch Bomben zerstört.

 

  • Synagoge

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts muss in Reken eine starke jüdische Glaubensgemeinschaft bestanden haben. In dem um 1875 eingeführten Standesamt-Register sind folgende jüdische Mitbürger aus Reken aufgeführt: Die Familie Levinstein/Lebenstein besaß ein Kaufhaus für Manufaktur-und Modewa- ren nebst Schneiderei in der Harrierstraße, ferner gab es eine Familie Lebenstein in Groß-Reken. Dorf 48. Zu erwähnen ist außerdem die Familie Silberschmidt, Groß-Reken, Dorf 7
  • Kaufhaus Lebenstein-Levinstein
 
  • Haupteingang Kaufhaus Lebenstein-Levinstein
 
 Bis auf die Familien Hermann Levinstein, David Lebenstein, Samuel Silberschmidt und der Johanna Humberg („Juden-Hannchen“ genannt), die als Näherin in Klein-Reken ihr Dasein fristete, sind alle vor 1933 aus Reken abgewandert.
Mit Beginn des „Dritten Reiches“ begann auch für die Juden in Reken eine Zeit sich immer mehr verstärkender Diskriminierungen und Verfolgungen, die schließlich im gesamten Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten unter dem Begriff der „Endlösung“ in der planmäßigen Ausrottung eines ganzen Volkes endeten. Anfang März 1933 meldete die Borkener Zeitung, dass auf das Kaufhaus Lebenstein ein Brandanschlag verübt Wurde, der durch die rasch alarmierte Feuerwehr in Grenzen gehalten wurde und keinen größeren Schaden anrichtete. Mag diese Tat das Werk eines Einzelnen ohne systematisch geplanten politischen Hintergrund gewesen sein, so zeigt ein anderes Ereignis sehr deutlich, wohin die Reise ging: Hermann Levinstein und Samuel Silberschmidt wurden im Herbst 1933 „auf höhere Anweisung“ wegen jüdischer Rassenzugehörigkeit aus der Groß-Rekener Feuerwehr ausgeschlossen. Dass daraufhin acht Kameraden aus Protest die Wehr verließen, zeugt sicherlich vom Mut dieser Männer, aber auch davon, dass die Nationalsozialisten damals noch nicht vollständig ihre perfekt durchorganisierte, lähmende Furcht verbreitende Polizeidiktatur etabliert hatten.
  • Brandstiftung beim Kaufhaus Lebenstein-Levinstein
 

Zwei Monate nach der Machtergreifung
Hitlers gab es in Groß Reken einen seltsamen Vorfall.
Auf das Kaufhaus Lebenstein/Levinstein war ein Brandanschlag verübt worden.
Später stellte sich heraus, dass der „Sicherheitsbeamte“ Köhne,
der das Feuer entdeckt hatte, es selbst gelegt hatte.
Einige Zeitzeugen sagten uns, dass sich der Mann nur wichtig tun wollte.
Ob ihn vielleicht Nationalsozialisten (Nazis) dazu angestiftet haben, ist nicht bekannt.
Möglich wäre es vielleicht, da jetzt auch die Hetze gegen die Juden in Reken einsetzte.

 
Die ständige Verschärfung der Repressionen gegen Juden verfehlte auch in Reken nicht ihre Wirkung. Hermann Levinstein verlor seine Aufsichtsratspositionen bei den Banken, und es wurde immer schwieriger, das Geschäft aufrechtzuerhalten. 1937 verübte seine Frau Selbstmord. Dieses Ereignis muss in Reken bei allen Menschen, die nicht von den Nazi-Parolen verblendet waren, große Erschütterung ausgelöst haben.
Die Verfolgungen im Deutschen Reich veranlassten vor allem die jüngeren Juden aus Groß-Reken, rechtzeitig ihre Heimat zu verlassen und ins Ausland zu emigrieren. Wer blieb, weil er vielleicht auf bessere Zeiten hoffte, machte einen tödlichen Fehler.
Alex Lebenstein wanderte schon kurz nach der Nazimachtergrei- fung nach Palästina aus; auch sein Bruder Leopold ist mit dem Leben davongekommen. Er schrieb im Jahre 1950 einen Brief aus Haifa (Israel) an Hermann Konniger, in dem er diesen bat, einige Wertsachen, die er vor seiner Flucht vergraben hatte, für ihn aufzuheben.
Selbstmord von Berta Levinstein
  • Selbstmord von Berta Levinstein
 

Mit den Geschäften bei Levinsteins ging es durch die ständige Hetze, die Verleumdungen
und auch die zunehmende Entrechtung der Juden immer schlech-ter.
Aus Verzweiflung über ihre familiäre Situation nahm sich Berta Levinstein im Jahre 1936 das Leben. Viele Groß Reke-ner waren darüber sehr betroffen;
denn Berta hatte etlichen Menschen in den schwierigen Zeiten nach dem 1. Welt-krieg geholfen und besonders das Groß Rekener Krankenhaus unterstützt.
(Das Foto stammt aus glücklicheren Tagen. Es wurde bei einem Urlaub im Harz gemacht.)

Fritz Lebenstein wurde mit 44 Jahren ebenfalls nach dem Osten verschleppt und ist dort umgekommen. Hermann Levinstein hielt nach dem Tode seiner Frau Berta das Geschäft noch ein oder zwei Jahre aufrecht, dessen Niedergang durch die Umstände natürlich vorgezeichnet war. Schließlich war er gezwungen, sein restliches Hab und Gut zu veräußern und nach Dorsten zu ziehen. Von dort wurde er am 21. Januar 1942 mit den anderen Dorstener Juden nach Riga deportiert. Er gilt als verschollen, ist aber mit Sicherheit ermordet worden. Die übrigen Mitglieder der Familie Lebenstein/Levinsteín konnten dem Holocaust durch Emigration entkommen:
Heute lebt kein Mitglied der jüdischen Gemeinde mehr in Reken. Von der Existenz dieser Gemeinde gibt der Judenfriedhof auf dem Kerkenberg Zeugnis. Auch bestehen noch gelegentliche Kontakte der Nachkommen der Familien Lebenstein/Levinstein und Silberschmidt mit Rekener Bürgern.
  • Eingang_Judenfriedhof
  • Grabstein Salomon Lebensteins
  • Stele-reken

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