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Die geschichtliche Entwicklung der Rekener Kommunalverwaltung bis 1940

Komunalverwaltung von 1810 bis 1874
Komunalverwaltung von 1874 bis 1945
Errichtung eines Standesamtes
Johann Rappers Amtmann von 1895 bis 1917Johann Rappers Amtmann von 1895 bis 1917
Umzug Amtsgebäude Hauptstraßemzug Amtsgebäude Hauptstraße

Die Idee der kommunalen Selbstverwaltung ist auf das Wirken und die Persönlichkeit des Reichsfreiherrn vom Stein zurückzuführen. Eines seiner ersten Reformwerke war die „Bauernbefreiung“. Mit dem Martinitag des Jahres 1810 hörte alle Gutsuntertänigkeit auf; ab diesem Tage sollte es nur noch freie Menschen geben.

Aufbauend auf diesem Freiheitsgedanken hatte für den kommunalen Bereich das bereits 1808 verfasste Reformwerk der „Städteordnung“ grundlegende Bedeutung. Zur Struktur seiner Kommunalverfassung sagte Stein damals selbst: „Die Bürgerschaft bekommt die ungeteilte Verwaltung. Zu Stadt- bzw. Gemeindeverordneten werden von der gesamten Bürgergemeinde Männer, die ihr Vertrauen besitzen, aus ihrer Mitte auf drei Jahre gewählt.

Diese setzen in ihren Versammlungen die Regeln der Verwaltung des Gemeinwesens fest und beaufsichtigen die Tätigkeit der von ihnen gewählten Behörde.
Diese Äußerungen des Reichsfreiherrn waren das Fundament einer breit angelegten Kampagne für die gemeindliche Selbstverwaltung.
Auch die von ihm gewählten Bezeichnungen wie die „Gemeindeverordneten“ als die von der Bürgerschaft gewählten Männer, die „Gemeindeversammlung“ als das beschlussfassende Gremium in ihrer Gesamtheit sowie der „Gemeindevorsteher“ als der erste Mann aus dem gewählten Selbstverwaltungsorgan sind bis in die ersten Jahrzehnte dieses Jahrhunderts beibehalten worden.
In dem von Preußen aus regierten Westfalen führte man im Jahre 1831 zunächst in den größeren Städten eine revidierte Städteordnung ein, später (31. Oktober 1841) verlieh man allen Gemeinden über 2500 Einwohnern ein entsprechendes Gemeindeverfassungsrecht.
Keine der damals selbständigen Gemeinden Groß Reken, Hülsten oder Klein Reken konnten diese Voraussetzung erfüllen.

Das macht beispielsweise die Entwicklung der Einwohnerzahlen der Gemeinde Groß Reken als der größten der drei Rekener Gemeinden deutlich:

1818     1797 Einwohner
1843 2116 Einwohner
1858 2189 Einwohner
1871 2054 Einwohner
1885 2150 Einwohner
1895 2265 Einwohner
1905 2600 Einwohner
Um die Unterschiede zwischen Städten und Gemeinden zu beseitigen, startete man im Jahre 1850 den Versuch, für das gesamte preußische Staatsgebiet die „preußische Gemeindeordnung“ einzuführen. Diese Gemeindeordnung wurde schon sehr bald außer Kraft gesetzt und schließlich ganz aufgehoben. Für die Provinz Westfalen galt ab dem Jahre 1856 bis zur „Gleichschaltung" im Hitler- staat die „Landgemeinde- und Städteordnung für die Provinz Westfalen “.
Konkrete Aufzeichnungen aus den Anfängen der kommunalen Selbstverwaltung im Rekener Raum gibt es erst ab dem Jahre 1874. Aus diesen Jahren stammen die ersten handschriftlich angefertigten Protokollbücher der Sitzungen der Gemeindeversammlungen der Gemeinden Groß Reken, Hülsten und Klein Reken sowie der aus diesen Gemeinden gebildeten Amtsversammlung.
Dass es auch vorher schon kommunalpolitische Tätigkeiten in den einzelnen Gemeinden gegeben haben muss, geht u. a. aus der Tatsache hervor, dass in der heutigen Gemeindeverwaltung Aufzeichnungen von Sitzungen der Armenvorstände, beginnend mit dem Jahre 1860, vorhanden sind.
Die ersten, in „Deutscher Schrift“ abgefaßten Protokollbücher der Amtsversammlung des Amtes Reken wie aber auch der Gemeindeversammlungen beginnen mit den Worten:

Gemeindeverwaltung Aufzeichnungen von Sitzungen der Armenvorstände (Übersetzung)
„Durch Conrads war die Amtsversammlung von Reken auf heute eingeladen und waren nebenstehende Mitglieder erschienen. Es wurde folgendes verhandelt. .  Conrads war seinerzeit Amtmann und damit Verwaltungschef in der Gemeinde Heiden. Das Amt Reken wurde von Heiden aus mitverwaltet. In Groß Reken hielt der Amtmann lediglich Sprechstunden ab und fand sich zu den jeweiligen Sit- zungen der Amts- bzw. Gemeindeversammlung in Reken ein. So gesehen war Amtmann Conrads auch der erste Verwaltungschef des damaligen Amtes Reken, das aus den Gemeinden Groß Reken, Hülsten und Klein Reken gebildet worden war.
 
Gemeindeverwaltung Aufzeichnungen von Sitzungen der Armenvorstände in Sütterlin
  • Protokoll der Gemeindeversammlungen
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Die aus den einzelnen Gemeindeversammlungen entsandten Amtsverordneten stellten zusammen das Gremium der „AmtsversammIung von Reken“ dar. Der nachweislich ersten Amtsversammlung gehörten der Gemeindevorsteher von Groß Reken, Lammersmann, der Gemeindevorsteher von Hülsten, Beßeling, der Gemeindevorsteher von Klein Reken, 'Mecking, sowie die Amtsverordneten Mensing und Droste aus Groß Reken, Olthues aus Hülsten und Bösing aus Klein Reken an.
Der erste nachweislich festzustellende Beschluss der Amtsversammlung war die Errichtung eines Standesamtes. Am 1. Oktober des Jahres 1874 sollte in Preußen das Gesetz über die Beurkundung des Personenstandes in Kraft treten. Auch die Rekener Gemeinden waren dadurch verpflichtet, in ihren Bereichen Standes- ämter einzurichten.
 Die Entstehungsgeschichte der Standesämter ist also gerade 100 Jahre alt. Vor- läufer der Standesamtsregister waren die Kirchenbücher. Alle wichtigen Etappen im Leben waren begleitet von religiösen Handlungen. Mit der Taufe wurde der Neugeborene in die christliche Gemeinschaft aufgenommen; die Kirche segnete die Ehe, und sie war es auch, die den Verstorbenen das letzte Geleit mit einem einem kirchlichen Begräbnis gaben. All diese Vorgänge wurden in den Kirchenbüchern registriert. So war es fast selbstverständlich, dass der Geistliche gewissermaßen der „geborene Standesbeamte“ für die Angehörigen der Gemeinde war. Das änderte sich nun schlagartig, denn eines der wichtigsten Anliegen des neuen Personenstandsgesetzes war es, den Pastören den Zutritt zum Amt des Standesbeamten zu versagen, da der zivile Charakter des Standesbeamten mit dem Amt des kirchlichen Würdenträgers unvereinbar war.
In ihrer Sitzung am 16. April 1874 beschloss die Amtsversammlung von Reken,für die drei selbständigen Gemeinden Groß Reken, Hülsten und Klein Reken einen Standesamtsbezirk zu bilden, wobei Groß Reken der Sitz des Standesbeamten sein sollte. Für das Amt des Standesbeamten wählten die Amtsverordneten den Postagenten Schemmer, seine Vertretung übernahm der Lehrer Heinrich Scherbaum.
  • Lehrer Scherbaum
 Für diese ehrenamtliche Tätigkeit stellte man aus der Amtskasse eine jährliche Vergütung von 50 Talern zur Verfügung.
 Im Mai des Jahres 1882 übernahm Georg Schmelting die Amtsgeschäfte des Standesbeamten. Sein Sohn, der Gemeindeempfänger und spätere Amtsrentmeister Hermann Schmelting trat noch vor der Jahrhundertwende die Nachfolge seines Vaters an.
  • Der dritte Rekener Standesbeamte Hermann Schmelting 001
Der dritte Rekener Standesbeamte Hermann Schmelting mit Familie vor seinem Wohnhaus, das auch gleichzeitig als Dienstsitz der Verwaltungsnebenstelle Reken diente (Aufnahme um 1900)
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Nach der Ära „Schmelting“ führte ab dem Jahre 1927 bis zum Jahre 1960 der Amtsrentmeister Anton Deckers über das Leben und Sterben in der Gemeinde Buch.Bei der Errichtung der Personenstandsregister legte man oft volles Vertrauen in die dem Standesbeamten mündlich vorgetragenen persönlichen Daten. So ist es auch durchaus verständlich, dass zum Beispiel ein Eintrag im Sterbebuch wie folgt beginnt: „Der blödsinnige. . . ist am . . _ in Groß Reken verstorben.“ Sicherlich war der Schwachsinn des Verstorbenen so dorfbekannt, dass es der Standesbeamte für richtig hielt, die auch noch zu beurkunden. Auch die standesamtliche Trauung war zur damaligen Zeit eine notwendige, unumgängliche Formsache. Selten konnten sich die Beteiligten daran erinnern, wann sie sich vor dem Standesbeamten das „Ja-Wort“ gegeben hatten.
Um nun auf die Anfänge der übrigen Verwaltungstätigkeit zurückzukommen, so weisen die Belange der Kommunalpolitik gegenüber heute zwar Unterschiede auf, der zu behandelnde Problemkreis war aber keineswegs von untergeordneter Bedeutung. Im Vordergrund stand immer das Wohl des einzelnen Bürgers. Es ist zwar kaum vorstellbar, dass heute ein Landwirt an den Gemeinderat herantreten würde um eine Beihilfe für den Kauf einer Kuh zu bitten. Seinerzeit hing jedoch von dieser Entscheidung oft die Existenz eines kleinen landwirtschaftlichen Betriebes ab. So war es also durchaus berechtigt, dass sich die Gemeindeversammlung und die Gemeindeväter Gedanken machen mussten, ihrem Mitbürger zu helfen. Die knappen Geldmittel der Gemeindekasse reichten aber oftmals nicht aus, um die Bittsteller zufriedenzustellen.
Auch die Geistlichkeit nahm mit Aufnahme der kommunalen Behördentätigkeit regen Anteil an den öffentlichen Geschehnissen der Rekener Gemeinden. Das geht vor allem aus den Protokollbüchern der Sitzungen wo neben dem Amtmann, dem Gemeindevorsteher und dem Schulleiter in aller Regel die Pastöre der Gemeinde, wie z. B. Pfarrer Thöne oder Pfarrer Harrier, als ständige Mitglieder den Entscheidungsprozeß auf dem Schulsektor maßgeblich beeinflussten.
Im September des Jahres 1893 übernahm Amtmann Scholten die Leitung der Verwaltung in Heiden und damit auch die Funktion des Verwaltungschefs des Amtes Reken. Knapp eineinhalb Jahre später, im Februar 1895, traf Johannes Rappers in die leitende Verwaltungsstellung der Gemeinde Heiden und somit auch des Amtes Reken ein.
  • Johann Rappers Amtmann von 1895 bis 1917
 Johann Rappers Amtmann von 1895 bis 1917
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In die Amtszeit des Amtmanns Rappers fällt auch die Einrichtung einer Amtskasse in den Räumen des Gasthofes Schmelting. Diese Lösung wurde deshalb gewählt, weil Georg Schmelting als zweiter Rekener Standesbeamter bereits die personenstandsrechtlichen Amtshandlungen in den Räumen seiner Gaststätte ausführte. In den Schmeltingschen Gasträumen befand sich um die Jahrhundertwende auch die Schiedsmannsstelle, eine für damalige Verhältnisse überaus wichtige Einrichtung zur Schlichtung von Zivilstreitigkeiten der Bürger Rekens. An zwei Tagen in der Woche kam Amtmann Rappers mit Pferd und Wagen und später mit einem Fahrrad zu den Sprechtagen nach Reken.
Durch ein Gesetz aus dem Jahre 1927 wurde der „westfälische Amtmann“ als Amtsbezeichnung abgeschafft. Die leitende Dienstkraft in der Verwaltung erhielt nunmehr die Bezeichnung „Bürgermeister“. Damit hatten das Amt Reken und die Gemeinde Heiden erst- mals einen hauptamtlichen Bürgermeister als Verwaltungschef.
Dem immer stärker werdenden Drang nach einer eigenen Verwaltung in Reken wurde in den dreißiger Jahren dadurch Rechnung getragen, dass zunächst 1931 im Gasthof Hermann Wilkes, Bergstraße, wieder eine ständig besetzte Verwaltungsneben stelle eingerichtet wurde, und zwar unter der Leitung des heute in Pension befindlichen Amtsoberinspektors Heinrich Roring.
Zur Erledigung von behördlichen Angelegenheiten musste es der Rekener Bürger in Kauf nehmen, zunächst einmal die Gasträume der Wirtschaft Wilkes zu betreten, da die Diensträume der Ver- waltung hinter der Theke eingerichtet worden waren. Im Jahre 1933 zog man dann mit „Sack und Pack“ um und machte es sich in dem früheren Schulgebäude an der Hauptstraße (heute Jugendheim) häuslich. Die Amtskasse und das Standesamt, bis dahin im Gasthof Schmelting untergebracht, machten unter ihrem Leiter Anton Deckers diesen Umzug mit. Im Erdgeschoß des umgebauten Volksschulgebäudes richtete man zwei Büroräume ein, und zwar einen Raum für die Gemeinde- und Amtskassen und das Standesamt sowie einen Raum für die übrige Verwaltung. Für den Bürgermeister hatte man von dem Verwaltungsraum einen kleinen Teil als Sprechzimmer abgetrennt.
  • Altes Amtsgebude

 Altes Amtsgebäude Hauptstraße
Durch Bestellungsurkunde vom 28.2.1935 wurde Franz Bösing auf die Dauer von 12 Jahren zum Amtsbürgermeister des Amtes Reken und zum Landbürger- meister der Gemeinde Heiden berufen. Franz Bösing hatte bereits im Jahre 1933 die Nachfolge von Josef Hidding angetreten, so dass diese Berufung lediglich eine offizielle Bestätigung der Machthaber des Dritten Reiches darstellte. ln die Amtszeit von Bösing fällt auch das historische Ereignis der Bildung des Amtes Heiden-Reken. Bis zum Jahre 1938 war die Gemeinde Heiden amtsfrei gewesen. Seit Jahrzehnten wurden aber schon die Gemeinden Heiden und das Amt Reken unter der Bezeichnung „Amt Heiden-Reken“ in Personal- und Bürounion verwaltet, wobei sich der Hauptsitz der Verwaltung in Heiden befand. In der Bevölkerung, insbesondere aber bei den Gemeindevätern, hatte eigentlich immer die Auffassung bestanden, dass die Gemeinde Heiden und das Amt Reken zum Amtsverband Heiden-Reken gehörten. Selbst bei der örtlichen Verwaltung dürfte diese Ansicht bestanden haben, da die Briefköpfe der Verwaltung seit jeher die Aufschrift „Amt Heiden-Reken" und auch das Amtsgebäude seit ältester Zeit ein Schild mit gleicher Bezeichnung getragen hat.
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