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Das Ende des Krieges 

Die Front kommt näher. Wird es in unserem Dorfe zu einem Kampfe kommen? Das ist die bange Frage, die sich jeder stellt. Vorsichtshalber rüstet man sich für die Flucht. Aber die zurückflutenden deutschen Verbände sind so demoralisiert, dass hier keine neue Front aufgebaut werden kann. Am 28. März abends kommt auch für die hier stehenden Verbände der Befehl zum Rückzug. Vor dem Abmarsch sprengen die deutschen Verbände große Armeemunitionslager zwischen Heiden und Groß Reken.

Es ist, als wenn die Welt unterginge. Noch bis in die heutige Zeit mussten Reste von nicht vernichteter Munition gesucht und unschädlich gemacht werden. Der Volkssturm verzichtete auf Widerstand, die Panzerbarrikaden wurden nicht geschlossen. So kamen die Engländer mit zahlreichen Panzern, ohne Widerstand zu finden, am 29. März 1945, Gründonnerstag, in Groß Reken an. Der Zug der Engländer nahm kein Ende. Am Ostersonntagmittags folgten dann die Amerikaner. Nun gab es hier in unserem Dorfe recht viel Einquartierung. Viele Familien müssten die Wohnungen ganz räumen. Im Oberdorf entstand bei Schmelting ein Russen- und Polenlager. Hier wurden die ausländischen Kriegsgefangenen, die bis dahin bei den Bauern arbeiteten, in einem Lager zusammengefasst. Von hier aus erfolgten Plünderun- gen, Vergewaltigungen und Raubüberfälle. Besonders schwer wurde die Gemeinde Hülsten heimgesucht. Die Besatzungsmacht versuchte, ein wenig Ordnung zu schaffen, und suchte einen neuen Bürgermeister. Nachdem zunächst Amtsrentmeister Deckers und Postschaffner Niewerth einige Tage als Bürgermeister ausersehen waren, wurde endgültig dann der damalige Rendant des Krankenhauses, Hermann Ehlker, von den Besatzungsmächten zum Ortsbürgermeister ernannt. Viel, viel Arbeit fand er vor. Er musste sich mit den Besatzungstruppen auseinandersetzen, musste versuchen, zum Teil mit List und Tücke das Dorf wieder aufzubauen und die nötigen Materialien dafür zu besorgen. im Nachhinein ist die Gemeinde diesem selbstlosen, tüchtigen Mann zu großem Dank verpichtet.

Im Oktober 1945 wurde die Volksschule wieder eröffnet, und zwar, wie einstmals, als „Kath. Schule“. Da das Schulgebäude im Dorf zerstört war, wurde der Schulunterricht zunächst im Saal Schmelting und Hartmarm ausgeübt. Es wurden nur solche Lehrpersonen angestellt, die politisch nicht belastet waren. 

Schon im Herbst 1945, also kurz nach dem Kriege, begann in der Gemeinde wieder eine rege Bautätigkeit. Jeder war bestrebt, Wieder ein eigenes Dach über dem Kopf zu haben. Jedoch war die Besorgung des Materials recht schwierig, denn ohne, man sagte damals, „Vitamine“, gemeint waren Speck, Eier, Butter, Fleisch, war nicht an das nötige Material zu kommen. Überhaupt machte der sog. Schwarze Markt viel von sich reden. Das Pfund Butter wurde dort  120 RM gehandelt. Nach und nach kamen auch zahlreiche Vertriebene aus dem Osten in unsere Gemeinde, in der Hauptsache aus Schlesien.

Bis Ende des Jahres 1946 wurden fast 1.000 Ostflüchtlinge nach hier evakuiert, so dass die Zahl der Einwohner mit Hülsten nunmehr 6.500 betrug. Die Kath. Arbeiterkolonie Maria Veen, die wieder in Händen des alten Vorstandes war, wurde Durchgangslager und der Benediktushof Krankenhaus für die vielen Flüchtlinge. Bis Ende des Jahres waren 80.000 Flüchtlinge durchgeschleust.

Die Not war groß. Es fehlte an Lebensmitteln, vor allem an Fett, an Brennmaterial, an Schuh- und Kleidungsstücken. Das hiesige Krankenhaus war das ganze Jahr hindurch mit durchschnittlich 70 Patienten fast überbelegt. Im Laufe des Jahres 1946 wurden dann auch die Kolpingfamilie und der Kath. Arbeiterverein neu ins Leben gerufen.
Die Normalverbraucher erhielten täglich durch Lebensmittelmarken nur höchstens 1.100 Kalorien. Große Scharen von Leuten aus dem Industriegebiet, Hamsterer genannt, besuchten die Gemeinde, um Lebensmittel einzutauschen.

In der Gefangenschaft waren bis jetzt immer noch etwa 48 Soldaten aus Groß Reken und 40 aus Hülsten. Das wichtigste Ereignis des Jahres 1948 war die Währungsreform am 20. Juni. Die Kapitalien wurden bis auf 10 Prozent abgewertet, und mancher Sparer hatte wieder sein Vermögen verloren. Eigenartig war, dass nach diesem Einschnitt plötzlich Wieder alles zu haben war. Die Läden waren voll mit Waren.

Bis 1949 beginnt das Leben sich wieder zu nominalisieren, man kann fast sagen, es wird ein gewisser Wohlstand erreicht.

Am Ende des Jahres 1949 zählt unsere Gemeinde über 100 Arbeitslose. Den größten Anteil stellen die Ostvertriebenen, ein großer Teil ist das Opfer, von Industriedemontagen. Der Kreis Borken ist nun Grenzland-Bezirk, der gewaltig unter der Kriegseinwirkung gelitten hat. Für den Wiederaufbau stellt die Regierung große Beträge zur Verfügung. Eine rege Bautätigkeit ist die Folge. Auch das Amtsgebäude und die Dorfschule sind wieder hergestellt und mit Dampfheizungen versehen. An der Dorfschule sind z.Z. 6 Lehrer und 3 Lehrerinnen angestellt. Im Jahre 1951 verlassen die Trappisten Maria Veen.

Im letzten Krieg hat Reken einen hohen Blutzoll zahlen müssen. 424 Soldaten und 84 Zivilpersonen mussten ihr Leben opfern für den Größenwahn einer verbrecherischen Regierung. Von den Ziviltoten waren 43 Opfer der Vertreibung, 11 jüdische Gemeindemitglieder und 30 sonstige Zivilisten.

Bilanz des Todes

Von den Soldaten aus Reken starben   Es starben
im Alter von 16 - 20 Jahren 92 Personen      1940: 5 Mann 1943: 104 Personen
im Alter von 21 - 30 Jahren 228 Personen 1941: 43 Mann 1944: 119 Personen
im Alter von 31 - 40 Jahren 85 Personen 1942: 55 Mann 1945: 117 Personen
im Alter über 40 Jahre 11 Personen
    
Es starben im Westen (Frankreich, Holland, England, Belgien, Westdeutschland) 57 Personen
Es starben im Osten (Russland, Polen, Rumänien, Ungarn, Jugoslawien und Ostdeutschland)  354 Personen
Es starben im Süden (Afrika, Italien, Griechenland) 12 Personen
Es starb im Norden (Norwegen) 1 Person

Die Aufzeichnung zeigt deutlich, dass 80 Prozent der Toten nach 1943 zu beklagen sind.
Der deutschen Regierung War zu dieser Zeit voll bewusst, dass der Krieg verloren war.
Dass sie dennoch weiterkämpfen ließ und auch noch die Juden ermordete, ist eines der dunkelsten Kapitel in der deutschen Geschichte: 
Auf den zwei Ehrenfriedhöfen in Reken ruhen:
in Maria Veen:  Deutsche Soldaten 44, Ostvertriebene 56 
in Groß Reken: Deutsche Soldaten 10, Ziviltote 11, Rekener Kriegsopfer 12

Einige Bürger zeigten offen ihre Abscheu gegen die Machenschaften der Parteibonzen, die die Front, wo das große Sterben begann, mieden, in der Heimat aber den starken Mann spielten. Ihnen erging es wie dem Wirt Schneermann, dessen 4 Söhne Wegen seiner ablehnenden Haltung eingezogen Wurden, von denen 3 aus Russland nicht zurückkehrten.

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