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Reken unter dem Nationalsozialismus

Nach dem 30. Januar 1933 verwandelten der neue Reichskanzler Adolf Hitler und die von ihm geführte NSDAP das Deutsche Reich innerhalb weniger Monate in einen totalitären Einparteienstaat.
Maßnahmen wie die Errichtung der ersten Konzentrationslager, der Boykott jüdischer Geschäfte, die „Gleichschaltung“ weiter Bereiche des öffentlichen Lebens, die Bücherverbrennungen oder die Beseitigung aller anderen Parteien machten früh deutlich, welchen Weg das Regime beschritt.

Dabei war die Legitimationsbasis der neuen Regierung gar nicht so breit, wie sie gern vortäuschte. Bei den letzten Mehrparteienwahlen zum Reichstag am 5. März 1933 erreichte die NSDAP, trotz massiver Propaganda und trotz gewaltiger Beschränkungen für ihre Gegner nach dem Reichstagsbrand vom 28. Februar, nur ca. 44 Prozent der Stimmen. lm Münsterland (Wahlkreis 17/Westfalen-Nord) siegte, wie schon in früheren Wahlen, die Zentrumspartei.
Auch in Groß-Reken konnte die NSDAP am 5. März 1933 nicht zur stärksten Partei werden. Auf Kosten einer gewaltigen Staatsverschuldung, fand in den Jahren nach 1933 eine Scheinblüte der deutschen Wirtschaft statt. Deren wahrer Charakter wurde von weiten Teilen der Bevölkerung nicht erkannt, weil infolge vieler staatlicher Maßnahmen die Arbeitslosigkeit weitgehend beseitigt werden konnte.

Hitler, der von Anfang an auf einen Krieg zusteuerte, wie er selbst bekundete, wollte die deutsche Wirtschaft möglichst in jedem Bereich vom Ausland unabhängig machen. Umfangreiche Ödlandkultivierungen fanden statt.
Die Urbarmachung des großen Moorgebietes zwischen Reken, Velen, Gescher und Coesfeld setzte ein. Im Papendyk und in Tungerloh an der Nordseite des Weißen Venns wurde ein Arbeitsdienstlager eingerichtet. Die Arbeits- dienstmänner legten das Moor durch Anlage von Kanälen trocken und bauten mitten hindurch von Reken nach Gescher die Nord-Süd-Straße, von Velen nach Stevede. die West-Ost-Straße. 1937 war der Anschluss an die Straße Reken-Coesfeld nach Begradgung des Weges durch den Preinhook fertiggestellt und bis zum Dülmener Weg mit einer festen Decke versehen. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurde die Urbarmachung vollendet.
Dieser Fortschritt musste allerdings mit schwerem Leid und Sorgen für viele Bewohner unseres Landes erkauft werden. Hier in Reken, wo der Kaplan Gleis die Zentrumspartei geleitet hatte, machte man ihm das Leben so schwer, dass er sich pensionieren ließ. In den Schulen fanden Veränderungen im Sinne des Nationalsozialismus statt. Die Geistlichkeit durfte ab sofort in den Schulen keinen Religionsunterricht mehr abhalten, und auch den Lehrern war die Ausübung des Religionsunterrichtes von der Regierung und den nationalsozialistisch gesinnten Vorgesetzten an höheren Stellen untersagt. Aber die Bevölkerung Rekens ließ sich nicht einschüchtern und hielt an ihrem alten, angestammten Glauben fest. Nach Fertigstellung von Unterrichtsräumen in der Kaplanei und im Waschhause des Krankenhauses haben die Geistlichen und die Seelsorgshelferin, Frl. Steinhäuser, sämtliche Schulklassen zweimal in der Woche unterrichtet. lm Preinhook stellte der Bauer Thies, in Hülsten der Bauer Schemmer seine Wohnung für die Erteilung des Religionsunterrichtes unter persönlichen Gefahren zur Verfügung. In Maria Veen wurde zunächst der Saal der Wirtschaft Lütkebohmert benutzt, und als dieser von der Partei als Ausweichlager beschlagnahmt wurde, vermutlich, um den Unterricht zu hintertreiben, ging man in den Heidehof und nach der Beschlagnahmung der Kath. Arbeiterkolonie durch den Regierungspräsidenten in den Wandelgang im Kloster. Am Bahnhof wurde der Unterricht in der Wohnung des Pfarrektors erteilt. Auch sämtliche Prozessionen wurden 1940 unter irgendwelchen Vorwänden verboten.
Auf Veranlassung der Partei sind 2 männliche und 1 weibliche Person trotz heftigster Proteste sterilisiert worden und 2 Personen aus unserer Gemeinde, die in Anstalten für geistig Behinderte untergebracht waren, sind verlegt und bald darauf als „verstorben“ gemeldet worden. Sämtliche kath. kirchlichen Vereine, vor allem der Jungfrauenverein und die Jünglingssolidalität, Wurden verboten. Seit langem war die Kath. Arbeiterkolonie in Maria Veen und deren Leitung der Partei ein Dorn im Auge. Es entstand eine Hetze gegen den leitenden Pater Alberikus. Man steckte ihn wegen einer nichtigen Anklage für eineinhalb Jahre in das Gefängnis. Die Arbeiterkolonie wurde beschlagnahmt und ein neuer, den Nationalsozialisten Wohlgesinnter als Leiter eingestellt. Die Patres duften im Kloster wohnen bleiben und dort Gottesdienst halten, wurden aber immer mehr eingeengt. Obwohl sie zur Arbeitsleistung in der Kolonie dienstverpflichtet blieben und ein Pater auf dem Büro half, mussten die Patres, die zusehends abmagerten, anscheinend Hunger leiden. Der Kriegerverein und die Schützenvereine weigerten sich, eine Hakenkreuzfahne zu führen, und drohten mit Auflösung. Die braunen Machthaber gaben nach und waren mit der Anbringung eines kleinen Hakenkreuzwimpels an den Fahnen einverstanden. Aus Protest gegen den Ausschluss der Juden Levinstein und Silber- schmidt aus der Freiwilligen Feuerwehr traten eine Reihe von Männern aus der Wehr aus. Als 1938 die Kreuze aus den Schulen entfernt wurden, war die Empörung derartig groß, dass diese gleich wieder von der Bevölkerung in den Klassenräumen aufgehängt wurden.

Nach der „Rückgliederung“ des Sudetenlandes und dem Einmarsch in die Tschechos- lowakei überschritten deutsche Truppen im Morgengrauen des 1. September 1939 die polnische Grenze und lösten damit den 2. Weltkrieg aus. Für die braunen Machthaber brachte er den Untergang, und über die Völker Europas brachte er unsägliches Leid.   

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