St. Ludgerus-Hospital zu Groß Reken

1886  Gründung einer ambulanten Krankenpflege in Groß Reken durch Pfarrverwalter Hermann Harrier
Ausschnitte aus der Chronik St. Ludgerus-Hospital zu Groß Reken.
Bis Ende des 19. Jahrhunderts lag im Rekener Raum die Krankenversorgung noch sehr im argen. Die nächsten Ärzte kamen von Velen, Lembeck oder Haltern durch das unwegsame Gelände nach Reken geritten oder auch mit dem Dogcart (Zweirädigereinspänner) gefahren, um erkrankte Patienten zu behandeln. Ebenso gab es damals keine Apotheke.
Rezept aus dem Jahre 1870 Das Ludgerushospital zu Groß Reken 
  • Rezept_aus_dem_Jahre_1870
  • Altes_Krankenhaus

14. April 1870
vom Apotheker B. Schmidt in Velen vorgeschriebene Medizindosis:
„Für Schultebohlen Alle zwei Stunden
einen Eßlöffel voll zu nehmen“

(Foto nach 1970: Schw. Therese)

Schon bald kamen auf Ersuchen von Harrier die Gemeindevertreter und die Kirchenvorstandsmitglieder zusammen und fassten in der gemeinsamen Sitzung am 1. Januar 1886 folgenden Beschluss, in dem es u.a. heißt:
Das Haus soll auf dem vorgeschlagenen Gemeindeplatz am Fischteich erbaut werden.
Zu diesem Zwecke soll der Gemeindeplatz der Kirchengemeinde übereignet werden.
Das Bauholz ist durch Kollekte zusammen zu bringen. Die Ziegelsteine bis zu 100 000 Stck. sind an Ort und Stelle zu brennen. Die Baukosten sind durch Ausgabe von unentgeltlichen Pflegeberechtigungsscheinen zu 10 M a Familie und zu 5 M für ledige Personen in jährlichen Raten von 1 M resp. ½ M zu entrichten. usw.

Mit diesem Beschluss, dem schon 6 Tage später am 7. Januar 1886 auch die Kirchen-gemeinde von Klein Reken zustimmte,  war der Bau einer ambulanten Krankenpflege mit Schwesternhaus in Groß Reken gesichert.

1886 bis 1888  Grunderwerb für das ambulante Kranken-Pflegehaus

Zur Geschichte des Grundstückes:
1846, nach der Aufteilung der Kirchbauerschaftsmark, erwarb die Gemeinde Groß Reken als Vertreter von Markeninteressenten die Parzelle 113 / 2 in Flur 13 (s. Urkatasterplan n. Seite). Auf dem Grundstück gab es von alters her eine Tongrube. Hier wurde noch um 1855 Ton abgegraben, der in der etwas südöstlich liegenden Feldbrandziegelei zu Ziegelsteinen für die Schule in Hülsten gebrannt wurde. Die Oberflächenwässer von den etwas höherliegenden Grundflächen sammelte sich in dieser Grube. So hatte sich nach und nach ein größerer Teich gebildet, den die Bewohner aus dem Dorfe und der Nachbarschaft zum Fischfang nutzten. Auch eignete sich das Wasser des Teiches mit der umliegende Wiese zum Bleichen ihrer Wäsche.

  • Flurkarte_Gr._Reken_Flur_13
 
 Flurkarte Gr. Reken Flur 13,
Urkataster von 1825 mit Nachtragungen bis 1895 und auch noch später
(Grundkarte: Katasteramt Kr. Borken)
Damit die Nutzung in geordneten Bahnen verlief, war eine Interessengemeinschaft entstanden, die in ihren Markenstatuten eine rechtliche Grundlage geschaffen hatte und den Fischfang und das Bleichen an dem Teich regelte. Das Gelände um den Teich war eingezäunt und stand außerdem unter Polizeiaufsicht.
 Die politische Gemeinde war sofort bereit, der Kirchengemeinde dieses Grundstück nach  Vorstellungen von Harrier zum Zwecke eines Hauses für ambulante Krankenpflege kostenlos zu überlassen, zumal ein jährlicher Betrag von 600 M von auswärts der Gemeinde für die Krankenbehandlung zugesichert wird. Die einzige Bedingung der Gemeinde war, die Kirchengemeinde muss auf ihre Kosten darauf ein Krankenhaus bauen.
Bevor die Kirchengemeinde mit dem Bau beginnen konnte, mussten allerdings die Marken-interessenten noch davon  überzeugt werden, von ihrem Bleichrecht auf dem am Teich lie-genden Wiese Abstand zu nehmen. Das gestaltete sich wegen der Vielzahl der Interes-senten zunächst schwierig. Als alle davon überzeugt waren, dass es für ihre arme Gemeinde nichts gemeinnützigeres geben kann, als eine ambulante Krankenpflege und als der letzte, unter Nötigung der Regierung in Münster, seine Unterschrift gegeben hatte, stand dem Bau des ambulanten Krankenpflege- und Schwesternhauses nichts mehr im Wege.
  • Lageplan_GrossReken_um_1890
 Lageplan Groß Reken um 1890
(Grundkarte: Katasteramt Kr. Borken)

1888/90 Bau des ambulanten Kranken-Pflegehauses, erstes Krankenhausgebäude

Als nun 100 000 Steine gebrannt, Bauholz zusammen kollektiert und ein Bauplan fertig war, wurde der Bau an den Zimmermann Franz Wüller und den Maurer B. Benning wenigst fordernd verdungen zu 906 und 1.093,51 Mark. Harrier schreibt weiter:
Baubeginn des ambulanten Krankenpflegehauses war das Frühjahr 1888, wozu der Weihbischof Cramer den Grundstein legte. Am 23. April 1890 wurde es nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht und nahm seinen Betrieb auf. Der ganze Bau kostete 7.039,35 M ohne die Kosten für das Inventar und war insgesamt mit einer Schuldenlast von 2.000 M behaftet.
Die anderen Kosten wurden durch Hand- und Spanndienste und durch freiwillige Gaben aufgebracht.

  • Bauzeichnung
  • 1888__Bauzeichnung_des_ersten_Krankenhausgebäudes
Vorderansicht (Straßenansicht) Grundriss
1888 Bauzeichnung des ersten Krankenhausgebäudes, ein ambulantes 
Pflege- und Schwesternhaus, Vorderansicht (Straßenansicht) 

und Grundriss (Diese Bauzeichnung dürfte Harrier selber angefertigt haben.)
 1890 Clemensschwestern übernehmen die Leitung des Kranken-Pflegehauses.
 Die ersten drei Clemensschwestern, die das Mutterhaus schickte, waren Notburga (geb. Lörse) als Vorsteherin und Leiterin, sowie Lucretia und Leontine. Das ambulante Pflegehaus bekam schon bald den Namen „Ludgerus-Hospital zu Groß Reken“.
1877/85  Bau der Kaplanei südlich des Kranken-Pflegehauses
 1885, also fünf Jahre vor dem Bau des ersten Krankenhausgebäudes, war etwa 40 m südlich davon auf der Parzelle 112 /2 (s. Karte nächste Seite) nach 2-jähriger Bauzeit ein Wohnhaus für die Kapläne der Kirchengemeinde entstanden.
Im Jahre 1878 kaufte der Pfarrverwalter Harrier vom Schneider Kesing (Rensing), gen. „bunten Schnieder“, das frühere Heiming`sche Haus nebst Garten am sogenannten Fischteich für 1 200 Mark. Weil großer Geldmangel in der Gemeinde war, eine Wohnung für den Kaplan aber bald da sein musste, so wurde folgender Plan beschlossen und ausgeführt: 1883 wurde das ziemlich baufällige Haus abgerissen und im Winter 1878/79 wurde dann durch unentgeltliche Arbeiter der Lehm zu einem Feldbrand geworfen und im folgenden Jahre in derselben unentgeltlichen Weise ein Feldbrand hergestellt. Der lieferte nicht nur genug Steine für den Bau der Kaplanei, sondern brachte auch noch einen schönen Posten Geld durch Verkauf ein. Das erforderliche Bauholz wurde zusammenkollektiert. Die beiden Baumeister Johann Kohlis und B. Bennink arbeiteten im Tagelohn zu 1,90 Mark auf eigene Kost. Gehilfen und Handlanger aus der Gemeinde arbeiteten unentgeltlich. Die vorhandene Bau-summe vor Anfang des Bauens betrug 5 Mark. Bis 1885 war das Haus fertig und bezahlt.

  • Lageplan

Lageplan Kaplanei (Baujahr 1883/85) und erstes Gebäude des Krankenhauses
(Baujahr 1888/90)(Grundkarte 1894: Katasteramt Kr. Borken)

1888 bis 1894 Schaffung der Krankenhaus-Ökonomie

Es lag nahe, dass sich für das Krankenhaus bald der Mangel an Acker, Weiden und Wiesen herausstellen werde. Um dem Mangel abzuhelfen, vereinbarte der Pfarrverwalter mit dem Rentner Tenhagen und dem Zeller Lütkewestrich den Ankauf des Berghaus`schen Colonates und schlossen darüber am 17. Febr. 1888 folgenden Vertrag:

Am heutigen Datum wurde von unterzeichneten Contrahenten folgende Vereinbarung bezüglich des Ankaufes des Gutes Zeller Berghaus in der Middelbauerschaft dahin getroffen.
1. Die unterzeichneten Contrahenten kaufen das Gut Berghaus gemeinschaftlich an zum Nutzen des hiesigen Krankenhauses, so dass der aus der Wiederverwertung des Gutes erzielte Nutzen dem Krankenhaus zufällt.
2. Die Contrahenten Lütkewestrich und Tenhagen lassen ihre an letzter Stelle eingetragenen Forderungen (Lütkewestrich 1.245 Mark und Tenhagen 1.750 Mark) zur Hälfte zum Besten des hiesigen Krankenhauses fallen. Für die andere Hälfte hat der Kaplan Harrier aufzukom-men, auch wenn bei Wiederverkauf des Gutes die   Kaufsumme nicht gedeckt wird.
4. Stirbt einer der Contrahenten, so gehen alle Gerechtsame bezüglich des Gutes Berghaus an seine Mitcontrahenten über zum in § 1 genannten Zweck. Die Erben haben nur Anrecht auf die Barauslagen ihres Erblassers.
5. Es wurde das ganze Colonat (rd. 22 ha) angekauft für 9.000 Mark, dazu kommen die Abgaben an die Pastorat, jährlich 1 Fass missaticum (1 Scheffel Messkorn) und die Abgaben an den Fürsten Salm-Salm zu Anholt jährlich 35 Mark und außerdem die Hälfte des unter § 2 erwähnten nicht gedeckten Posten des H.   Lütkewestrich und B. Tenhagen.

Zwei Monate später:

Aus dem Verkaufe des halben Gutes am 21. April 1888 wurde die Kaufsumme, das missa-ticum, die Rente an Salm-Salm und die vertragsmäßige Forderung des Tenhagen gedeckt.
Bei dem Verkauf des halben Gutes handelt es sich um den Verkauf von 10,43 ha an Bergs Esch (heute Campingplatz) für 7.800 Mark an Johann Rensing (Strote). Rensing verpflichtete sich damals außerdem zur Übernahme der jährlichen Abgaben von 1 Faß Mihsaticum an die Pastorat und die Ablösung der Grundstücksabgaben an den Fürsten Salm-Salm.
Die andere Hälfte mit dem alten Wohnhaus wurde dem Krankenhause in Benutzung gege-ben. Lütkewestrich reduzierte seine Forderungen auf 600 M, worüber ihm vom Krankenhaus ein Schuldschein gegeben wurde. Ein Grundstück wurde dem Zeller Wesseling gegeben im Eintausch gegen ein anderes (gelegen im Sandheck). Der aus dem Berghaus`schen Gute erzielte Gewinn an Boden beträgt mithin 11 ha, 22 ar, 52 qm. Die Wiese im Sandheck wurde dem Schultenbohlen grundbuchlich aufgelassen (aus Jagdgründen). Zu jeder Zeit kann das Krankenhaus die Umschreibung verlangen.
Die 18 Morgen großen Stücke bei Schultenbohlen wurden dann bald zu einer schönen Wiese kultiviert. Als nun Acker, Weide und Wiese zum Krankenhaus gehörten, kam auch ein Viehbestand zum Krankenhaus.

  • Stallung_und_Scheune
Stallung und Scheune der Krankenhaus-Ökonomie, entstanden 
aus dem Wohn- und Stallgebäude des alten Berghaus`schen Wohnhauses

  • Urkatasterplan

Vergrößerter Ausschnitt aus Urkatasterplan (Grundkarte: Katasteramt Kr. Borken)
1 Ambulantes Pflegehaus mit kleinem Nebengebäude, ein Stall für eine Kuh und
zwei Schweinen
2 das alte Bergsche Wohnhaus 1888 erworben und hier als Krankenhaus-Ökono-
mie aufgestellt. Auf dem Freiraum zwischen 1 und 2 entstand schon bald danach
ein kleines Verbindungsgebäude u.a. mit einem Leichenraum.
3 Kaplanei (Wohnung der Kapläne)

Hermann Ehlker, Sohn des Bauern Gerhard Ehlker, der aus Stadtlohn stammte und bei Lammersmann in Groß Reken zweiter Ehemann geworden war, stand ab 1925 den Schwestern bei der Leitung des Krankenhauses insbesondere bei der Verwaltung der Krankenhaus-Ökonomie zur Seite
  • Hermann_Ehlker

Hermann Ehlker
(1893 – 1979 

  • Grundbesitz

Grundbesitz der Kirchengemeinde St. Heinrich, vormals St. Simon u. Judas, Stand um 1980. Das gesamte Eigentum der Kirchengemeinde ist in vier Verwaltungsposten (wohl noch Folge der preußischen Gesetzesgebung aus der Zeit des Kulturkampfes) aufgeteilt und zwar: Kirchplatz mit Alte Kirche und Friedhof mit darauf stehenden Gebäuden (rot) Eigentümer Kirchengemeinde St. Heinrich, Ländereien und neue Kirche (gelb) Eigentümer Pastorat; Krankenhausgrundstück mit darauf stehenden Gebäuden (grün) Eigentümer Ludgerushospital; Krankenhaus-Ökonomie (braun) Eigentümer Krankenhaus.

1903 bis 1930 entstehen geräumige An- und Neubauten.
Ursprünglich war nur die ambulante Krankenhauspflege vorgesehen. Es stellte sich aber bald heraus, dass es notwendig wurde, Kranke in den wenigen Räumen des Pflegehauses aufzunehmen, um sie dort gesund zu pflegen. So nahm die Zahl der stationär behandelten Patienten von Jahr zu Jahr zu. Bald wurde das Pflegehaus, inzwischen schon ein kleines Krankenhaus, zu klein. Um diesem Übelstande abzuhelfen, wurde in den Jahren 1903 und 1904 auf der Südseite in Verbindung mit dem alten Haus ein recht geräumiger Anbau  und eine Kapelle mit einem Kostenaufwand von 9 bis 10.000 M errichtet.
Unter der Kapelle wurde eine Krankenstation mit einem Operationszimmer eingerichtet, in dem eine Gasolinlampe im Falle einer Operation für das schönste Licht sorgte. Im Keller darunter befanden sich Nebenräume für die Krankenhausküche.
Am 19. März 1904 wurde die erste Hl. Messe in der Krankenhauskapelle gefeiert. Zu dieser Feier reiste Schw. Praxedes nach Groß Reeken, um die im Mutterhause angefertigten Paramente zu überbringen.
  • Anbauten
 
1903/1904  Die ersten Anbauten auf der Südostseite: lks. die Krankenhauskapelle   
Im April 1906 starb die erste Oberin des Krankenhauses, Schwester Notburga. Schwester Lucretia übernahm an ihrer Stelle die Leitung.
1907 entstand auf der Südwestseite ein beachtliches zweigeschossiges Wohnhaus, das keinerlei Verbindung zum Krankenhaus hatte. Es besaß zwei Wohnungen, die für den in Reken geborenen alten Pfarrer Franz Viefhues aus Österreich und für Pfarrer Harrier auf deren Kosten gebaut wurden. Hier wollte Viefhues seinen Lebensabend verbringen.
Daraus wurde allerdings nichts, er starb vorher. Lediglich Harrier hat darin noch im letzten Winter vor seinem Tode (1920) gelebt

Nach 1910 wurde die Verbindung von dem Wohnhaus zum Krankenhaus durch einen dreigeschossigen Zwischenbau von je zwei Zimmern und einem Treppenhaus geschaffen.
(1963 wurde hier der Aufzug angebaut.) Gekrönt wurde das Dach (Walmdach) über dem Zwischenbau mit einem Glockentürmchen, dessen Glocke zu allen Angeluszeiten läutete.

  • Stallung_und_Scheune

Nach 1910 Die weiteren Anbauten auf der Südwestseite: von lks. Krankenhaus-Ökonomie
(1894), Wohnhaus (1907), eingerüsteter Zwischenbau (nach 1910) und Kapelle (1903/04), im Hintergr. lks. die Windmühle und ganz rechts Haus Ostendorf, im Vordergr. der „Fischediek

  • neuerAnstrich

Einige Jahre später, als die Krankenhausfassade einen neuen Anstrich bekommen hatte. Die
Krankenhauswäsche wurde auf der langen Wäscheleine „gefriergetrocknet“.

In den Wirren der Nachkriegsjahre wurde auf dem Flachdach neben dem Türmchen für kurze Zeit von den Separatisten (eine revolutionäre kommunistische Vereinigung) ein Maschinengewehrposten stationiert.
Versorgte seit der Inbetriebnahme 1890 der Arzt Dr. Borghorst das Krankenhaus von Velen aus – soweit es damals überhaupt bei den schlechten Wege- und „Verkehrs“verhältnissen möglich war – so änderte sich das:
1919 ließ sich Dr. Johannes Benson, geb. am 5. Juni 1888 in Groß Reken, nicht nur auf Bitten von Pfr. Harrier, sondern auch auf eigenem Wunsch als erster praktischer Arzt in seiner Heimatgemeinde nieder. Ihm wurden von der Kirchengemeinde die Befugnisse des leitenden Arztes des Krankenhauses übertragen.
  • Benson
 1919 Zeitungsanzeige zur Praxiseröffnung
 1913 hatte er in Würzburg sein medizinisches Staatsexamen absolviert. Bei Ausbruch des  Weltkrieges 1914 wurde er eingezogen und war als Sanitätsarzt bei der Wehrmacht tätig. Nach mehreren Versetzungen, u.a. in die Vogesen, war er zu Ende des Krieges in einem Lazarett in Speyer, einer umfunktionierten Volksschule, als Oberarzt im Einsatz. Schon während seiner Lazaretttätigkeit wurden ihm einige Orte zu seiner späteren Niederlassung angeboten. Er hatte sich aber von vornherein für seinen Heimatort Reken entschieden, zumal hier kein Arzt ansässig war.
  • DrBenson
 um 1925 Dr. Johannes Benson (1888 – 1973)

Von Anfang an war Dr. Benson fest mit dem Krankenhaus verbunden. Nicht nur, dass er im Krankenhaus Sprechstunden für die ambulanten Kranken abhielt, er hatte auch dort mit seiner Familie die für den verstorbenen Pfr. Viefhues vorgesehene Wohnung bezogen.

  • Krankenhaus_SO

 

Um 1930 Gesamtansicht des Krankenhauses von Südosten gesehen

  • Rekener_Kleinkinderschar
 

Vor 1936 Fröhliche Rekener Kleinkinderschar mit Dini Sicking und Kinderwagenparade vor
dem Krankenhaus (Foto: Norbert Benson)

Um 1932 wurde unter Pfarrer Tenhaken für Schlafräume der Schwestern dem Harrier`schen Hause ein drittes Stockwerk aufgesetzt, wobei auch das Türmchen weichen musste.  1936 entstand dann der Vorbau, eine Veranda als Sitz und Liegehalle. Von diesen angebauten hellen Tagesräumen und dem Balkon hatte man eine schöne Aussicht auf das Dorf.
  • Krankenhaus_Teich
 Das Krankenhaus mit dem „Fischediek“ auf dem südwestlichen Krankenhausgelände so, wie 
es einigen Rekenern sicherlich noch in Erinnerung ist.

  • Krankenhaus_1980

Um 1932 wurde auch das Dachgeschoss des ersten Krankenhausgebäudes aus dem Jahre
1888/90 ausgebaut. (Foto um 1980: Paul Lütkebohmert)

1939 Bau des Waschhauses für das Krankenhaus

Mit Zunahme der Bevölkerung in der Gemeinde nahm dann auch zwangsläufig die Zahl der Patienten zu. Das Krankenhaus hatte sich außerdem nach der Erweiterung Anfang der dreißiger Jahre einen guten Ruf erworben. Die Betreuung der Patienten durch die Clemens-schwestern, aber auch die ärztliche Versorgung durch Dr. Benson waren ausgezeichnet.
Schritt gehalten hatte allerdings bei all dem nicht die Erweiterung der hauswirtschaftlichen Einrichtungen insbesondere für das Waschen der vielen Krankenhauswäsche. Um diesem Mangel zu beheben, plante 1939 der Kirchenvorstand unter Pfr. Asselhoff den Bau eines 10,5 m x 16 m großen Nebengebäudes, kurz Waschhaus genannt.

 Sommer 1939 
Der große Bischof Clemens August, begleitet vom klei-nen Pfarrer Asselhoff und Pater Stephan aus Maria Veen, beim Verlassen des Krankenhauses in Groß Reken, g.l. der Geistliche Wilhelm Nielbock, Leiter des "Krüppelheimes" in Maria Veen.
  • Lageplan_Waschhaus
Lageplan des Waschhauses
  • Ausenansicht
Ansichten des Waschhauses
  • Erdgeschoss
Grundriss des Waschhauses 
  • Gibel
Ansichten des Waschhauses

Im Herbst 1939 war Baubeginn. Die Maurer- und Betonarbeiten wurden von der Firma Reinert ausgeführt. Nach einem Jahr war das Waschhaus bezugsfertig. 
Das Haus mit den Einrichtungen kostete 33.000 RM. Der Wert der Geräte betrug 17.000 RM

 
  • Lageplan_1940
In den 40er Jahren  Lageplan des Krankenhauses mit Kaplanei, gezeichnet nach einer Luftbildaufnahme von Januar 1945. Größe des gesamten Krankenhausgeländes ca. 8 Mg.
 
  • Strasse_nach_Huelsten
Ausschnitt aus obigem Lageplan: Krankenhausbauten mit Baujahre und Nutzung.
1939 bis 1945  Das Krankenhaus während des Krieges
Im Jahre 1941 fielen mehrere Sprengbomben auf das Ackerland des Krankenhauses in der Middelbauerschaft. Der Schaden wurde ersetzt. Seit November 1944 waren die Gemeinde und mit ihr das Ludgerushospital sehr durch Bombenabwurf und Bordwaffenbeschuss gefährdet. Die Züge auf der Eisenbahnstrecke Coesfeld – Hervest Dorsten, die als Nachschubstrecke für die Rheinarmee galt, wurde Tag und Nacht mit Bomben und Bordwaffen angegriffen, besonders die Strecke zwischen den Bahnhöfen Reken und Maria Veen, wo die V 2 ausgeladen wurde. Bei dem Luftangriff am 3. Dezember 1944 auf einen Personenzug wurden viele Reisende schwer verletzt oder gar tot ins Ludgerushospital gebracht. Ihre Zahl war so groß, dass das Ludgerushospital nicht alle aufnehmen konnte, und Verletzte in das Krankenhaus nach Velen gebracht werden mussten. Der Handarbeitsraum musste mit als Leichenhalle benutzt werden. Unermüdlich haben sich die Schwestern der Schwerverletzten angenommen, und die Geistlichen haben ihnen auf der Unglücksstätte und im Krankenhaus geistlichen Beistand geleistet.
Als sich die Front näherte, erfolgte am 22. März 1945 noch ein konzentrierter Fliegerangriff mit Sprengbomben und Brandbomben in 3 Wellen auf das Dorf Groß Reken. Auch die Umgebung des Krankenhauses wurde stark mit Bomben eingedeckt, aber das Krankenhaus selbst hat fast wie durch ein Wunder, keinen Treffer abbekommen.
Bei den schweren Luftangriffen am 22. und 23. März 1945, als das Dorf größtenteils zerstört wurde und neun Tote, darunter vier Rekener Zivilpersonen zu beklagen waren, wurde das Krankenhaus glücklicherweise nur am Dach beschädigt. In einer Entfernung von rd. 100 m waren mehrere Bomben gefallen. Die nahe am Krankenhaus liegende Kaplanei war allerdings durch eine etwa 20 m entfernt fallende Bombe stark beschädigt worden.
  • Luftbild
  • Angestellte_Schwestern
Luftbild der Alliierten vom 24. März 1945,
deutlich sind rund um das Krankenhaus
die vielen Bombeneinschläge und
auch der runde weiße Anstrich (Rotkreuzzeichen)
auf dem Dach des Krankenhauses zu erkennen
Angestellte Schwestern
Um 1966 Renovierung des Krankenhauses
Schon seit Jahren hatte die Kirchengemeinde für einen grundlegenden Umbau oder gar für einen Neubau Kollekten (Kirchenkollekte und Milchpfennig) durchgeführt. Ein Neubau kam allerdings schon bald nicht mehr in Frage, da abzusehen war, dass die Tage für kleinere Krankenhäuser gezählt waren. So kam es lediglich um 1966 innen wie außen zu einer größeren Renovierung und zum Bau eines Aufzuges am Zwischenbau.
Alle Gebäude bekamen, mit Ausnahme der Nordfront des ersten Klinkerbaues, einheitlich einen neuen weißen Anstrich.

  • Krankenhaus1

Auch die Krankenhauskapelle bekam einen neuen Anstrich,
innen wie außen.

  • Krankenhaus_1960-2
Das südl. Gebäude mit dem neuen Aufzug (lks. Ökonomie-Gebäudes am Gebäude der Aufzugschacht)
  • Krankenhaus_1960
Der Krankenhaus-Innenhof nach Abriss des alten Ökonomie-Gebäudes
  • Kapelle

Der Innenraum nach dem Anstrich
(der Tabernakel rechts vom Altar befindet sich heute in dem Meditationsraum am Pfarrhaus)
(Foto Kapelle innen: Schw. Therese)

1976  wird der Krankenhausbetrieb eingestellt, und das Gebäude wird zu einem Alten- und Pflegeheim umfunktioniert.
Das Krankenhaus war inzwischen unmodern geworden und mit der kleinen Bettenzahl von rd. 40 auch unwirtschaftlich. Viele Rekener zogen es vor, die Krankenhäuser in den nahen  Städten Borken, Coesfeld und Dorsten zu nutzen. So wurde am 30. Juni 1976 auf Erlass des Regierungspräsidenten das Krankenhaus geschlossen.

 

Die Chronik wurde zusammengestellt und bearbeitet
von der Heimatarchivgruppe des Heimatvereins Reken e.V.
(Hubert Tenbohlen und Heinz Wenzel)

Reken, im Jahre 2008

Weitere historische Ansichten vom Krankenhaus fienden Sie hier:

Hier können Sie die gesamte Chronik als PDF Herunterladen.

 

 

Free Joomla! template by Age Themes

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok Ablehnen